Archäozoologin Kerstin Pasda
Last Glacial Maximum - Österreich

“Success, limits and failure of subsistence strategies in eastern Central Europe during the early Gravettian and the Last Glacial Maximum – Erfolg, Grenzen und Misserfolge von Subsistenzstrategien im östlichen Mitteleuropa während des frühen Gravettien und des Letzten Glazialen Maximums”

Förderer ist die Deutsche Forschungsgemeinschaft Bonn, D-A-CH Förderung (DFG Geschäftszeichen PA 1616/8-1)

Ab 2020 wird ein Gemeinschaftsprojekt zwischen den Universitäten Erlangen-Nürnberg und Wien durchgeführt. Es handelt sich um ein Kooperationsprojekt der Antragsteller, Dr. Andreas Maier (Initiator), FAU Erlangen-Nürnberg – Paläolithikum, PD Dr. Christoph Mayr, FAU Erlangen-Nürnberg – Geographie/Klima, Dr. Thomas Einwögerer, Universität Wien – Paläolithikum, DP Dr. Kerstin Pasda, FAU Erlangen-Nürnberg – Archäozoologie.

In der niederösterreichischen Region um Krems ist die Zahl der Frühgravettien- und LGM-zeitlichen Fundstellen auffällig hoch. Diachrone Vergleiche von Subsistenz, Landnutzung und möglichen adaptiven Strategien zwischen zwei Perioden auf dem Hintergrund von Klima- und Umweltveränderungen lassen sich hierdurch gut erforschen. Im Rahmen des Projektes werden einzelne Aspekte zur Saisonalität und Nutzung der Fundstellen von Krems-Wachtenberg, Langenlois A (Frühes Gravettien), Langmannersdorf, Rosenburg, Saladorf und Grubgraben (Last Glacial Maximum/LGM) untersucht.

Zusammenfassung der Projektbeschreibung:

Das Letzte Glaziale Maximum (LGM, ca. 24.000-19.000 cal BP) war, im Gegensatz zur landläufigen Meinung, eine Zeit relativer klimatischer Stabilität und wiedererstarkender Populationen. Die unwirtlichsten klimatischen Bedingungen des gesamten Jungpaläolithikums herrschten vielmehr während des vorhergehenden späten Gravettien (ca. 29.000-25.000 cal BP).  Während dieser Zeit waren die Jäger-Sammler Gemeinschaften in den nördlichen Breiten einem starken Subsistenzstress ausgesetzt.  Der Fokus des Projekts liegt auf einem Fundstellen-Cluster in Österreich, Mähren und Südpolen, welches – obwohl nur dünn besiedelt – anders als andere Regionen nördlich von 50°N nicht von einem Populationszusammenbruch während dieser klimatische Ungunstphase betroffen war. Daraus ergeben sich die Fragen was die Region besonders machte und welche adaptiven Strategien ihre Bewohner entwickelten. Um diese Fragen zu beantworten, vergleichen wir die Umweltbedingungen und die archäologischen Befunde  des LGM mit denen des frühen Gravettien, einer Zeit der kulturellen Blüte und vergleichsweise günstiger klimatischer Umstände. Wir verbinden archäologische Analysen (z.B. von lithischen und organischen Werkzeugen), osteoarchäologische Informationen sowie Daten zur Sedimentologie und Paläoumwelt (Geochemie, stabile Isotope, Mollusken, u.a.). Ein innovativer Aspekt dieses Projekt ist die enge Verknüpfung von on-site Daten zur Archäologie und Paläoumwelt für eine Schlüsselregion des LGM in Mitteleuropa in einer diachronen Perspektive. Besonderes Augenmerk liegt hierbei auf folgenden Fragen: Welche Unterscheide in den Umweltbedingungen lassen sich zwischen dem frühen Gravettien und dem LGM fassen und wie veränderte sich die Vegetation und das Beutespektrum durch die Änderungen in Temperaturen und verfügbarer Feuchtigkeit? Welche sind die spezifischen Adaptionen der Jäger-Sammler während des LGM im Vergleich zu jenen des frühen Gravettien? Dieser interdisziplinäre Ansatz erlaubt tiefere Einsichten in die Dynamik menschlicher Populationen und adaptive Strategien von Jäger-Sammlern. 

Karte Mitteleuropas mit den projektrelevanten Fundstellen des Gravettien und des LGMs in Niederösterreich (A. Maier).